Mehr als Medikamente – alternative Therapien psychischer Erkrankungen
Bericht von der Fachtagung am 08.11.2025
Der Einladung zur Fachtagung ins Zinzendorfhaus in Neudietendorf folgten 45 Interessierte aus Thüringen aber auch aus Berlin. Der Einführungsvortrag des Psychotherapeuten und Privatdozenten Dr. Dr. Jann E. Schlimme zum Thema „Medikamentenreduktion bei Menschen mit Psychose-Erfahrungen“ beruhte auf seinen jahrelangen Erfahrungen. Er erläuterte daher sehr anschaulich und praxisnah, unter welchen Voraussetzungen und in welchen Schritten eine Medikamentenreduktion gelingen kann. Dabei ging er insbesondere auf wichtige bio-chemische und psychische Prozesse im Gehirn ein. Die Teilnehmenden erfuhren, welche Arbeit ein/e Patient*in aufbringen muss und was Angehörige dazu beitragen können, damit die Reduktion zu einem Gewinn an Lebensqualität führen kann. Eine lebhafte Diskussion mit Erfahrungen der Teilnehmenden schloss den ersten Teil der Tagung ab.
Nach dem Kaffeetrinken standen parallel drei Workshops zur Auswahl:
Im Workshop 1 präsentierte Therapeutin Rona Fischer (Asklepios Tagesklinik Gera) die Multifamilientherapie (MFT) als umfassendes Modell für die Therapie von psychischen Erkrankungen in Familien. Statt nur betroffene Jugendliche zu therapieren, schließt MFT 10 Familien (jeweils Elternteil, Patient/in) in eine geschlossene alters- und diagnosegemischte Gruppe ein. Der Fokus liegt auf positiven Aspekten, aktivem Elternteilsein, Entstigmatisierung, Stärkung der Selbstwirksamkeit und Re-Integration in Schule und Alltag.
Im Workshop 2 machte Oberärztin Dr. Jeannine Eichhorn vom Uniklinikum Jena die Teilnehmenden mit StäB (stationsäquivalente Behandlung in der Häuslichkeit) vertraut. Die 7-tägige Behandlung erfolgt durch ein multiprofessionelles Team (Facharzt/Fachärztin, Psycholog*in, Fachpflege, Ergo-/Physio-/Kreativtherapie, Sozialarbeit) mit täglichem Patientenkontakt, Hausbesuchen, wöchentlicher Visite und Fallbesprechungen. Als Vorteile gelten: Verbleib im gewohnten Umfeld, Alltagstauglichkeit, Einbeziehung der An- und Zugehörigen, Förderung von Selbstständigkeit, geringere Stigmatisierung.
Im Workshop 3 stellte Dr. Göran Michaelsen, Chefarzt vom Helios Park Klinikum Leipzig, diese Soteria-Klinik (Suchtrehabilitationsklinik) vor, die Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit behandelt und auch Doppeldiagnosen berücksichtigt. Ein Soteria-inspiriertes Milieu und therapeutische Elemente wie ein selbstständiges Übungsprogramm sowie milieuspezifische Atmosphäre und Therapiestrategien werden adaptiert und damit eine patientenorientierte Behandlung ermöglicht.
Die Tagung wurde erfolgreich durch die Vorstellung der Workshopergebnisse und abschließende Zusammenfassung beendet.
Wir danken dem Arbeitskreis Selbsthilfeförderung der GKV (gesetzlichen Krankenkassen) im Freistaat Thüringen und der Thüringer Ehrenamtsstiftung / Thüringer Staatskanzlei für die finanzieller Unterstützung, die die Durchführung dieser Veranstaltung ermöglicht hat.
